Herbst 1989 in Dessau


In allen größeren Städten der DDR fanden ab Herbst 1989 Großkundgebungen statt. Den Auftakt in Dessau bildeten immer freitags die „Gebete um Erneuerung“ in der Johanniskirche. Ein erster Demonstrationszug mit 2.000 mutigen Menschen bewegte sich am 20. Oktober 1989 von dieser Kirche zum Marktplatz in der Innenstadt. Nur eine Woche später waren es 30.000 von 105.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Aber den Fall der Mauer am 9. November konnten wir uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen. In einer Chronik der Dessauer Ereignisse heißt es an einigen Stellen: „Am Morgen…, mittags… und am Abend…“.
 
 
 
 
Um den Demonstrationen Struktur und Konstruktivität zu geben, regelten ab November „Runde Tische“ die Themen und die Verantwortung für die Kundgebungen. Am 8. Dezember 1989 (Bild) übernahm ich im Auftrag der SDP die „Marktplatz-Moderation“.Die amtierende SED-Oberbürgermeisterin gab bekannt, „dass sie ab sofort keine Waffenträgerin mehr sei“.
Die SDP, die sich Anfang 1990 in SPD umbenannte, traf sich erstmals am 23. Oktober 1989 subversiv in einer Privatwohnung. Von diesen Zusammenkünften gibt es weder schriftliche Notizen noch Fotos. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern wegen der begründeten Sorge, dass bei einem Zugriff der Staatssicherheit die Mitglieder der Gruppe erheblichen Schaden zu erwarten hatten. Heute dürfen wir sagen, wer damals dabei war: Horst Leischner, Wolfgang Kühnert, Albrecht Anspach, Harald Wondra, Silke Umlauft und Roger Voigtländer.
 
 
 

 
Für die freundliche Genehmigung, diese Bilder auf meiner Website veröffentlichen zu dürfen, bedanke ich mich herzlich beim Stadtarchiv Dessau-Rosslau.
Die Rechte an allen Bildern hier liegen ausschließlich beim Stadtarchiv Dessau-Rosslau. Fotograf war der erst vor kurzem verstorbene Bernd Helbig.